Einsteiger-Bildbearbeitungsprogramm

Testbericht: Photoshop Elements 13

2014-09-25 Kurz nach der Photokina 2014 hat Adobe das einsteigerfreundliche Bildbearbeitungsprogramm Photoshop Elements in der neuen Version 13 für Mac und Windows vorgestellt. Verbessert wurde unter anderem die Retusche, außerdem gibt es neue Effekte, und der Hersteller hat die Diaschau-Funktion gründlich umgekrempelt, damit der Anwender noch bessere Bildpräsentationen erstellen kann. Heico Neumeyer hat Photoshop Elements 13 für digitalkamera.de getestet.  (Heico Neumeyer)

Mit seiner neuen Retuschetechnik entfernt Photoshop Elements 13 fast vollautomatisch auch größere Störungen aus dem Bild, zum Beispiel ganze Personen. Der Anwender rahmt den störenden Bereich mit dem Lasso ein. Dann folgt nur noch der Befehl "Bearbeiten, Auswahl füllen" mit der neuen Option "Inhaltssensitiv". Dabei überdeckt Photoshop die Störung so clever, dass man kaum oder gar nicht nacharbeiten muss. Das Programm setzt Motivkonturen nach innen fort, zum Beispiel Horizontlinien oder Treppen wie in unserem Beispiel.

Ebenfalls neu ist das Inhaltssensitive Verschieben-Werkzeug. Damit lassen sich Bildbereiche einrahmen und an eine neue Position bewegen oder kopieren. Elements 13 gleicht die Ränder verblüffend gut an, ebenso gut wird beim Bewegen die "Lücke" am ursprünglichen Ort gefüllt. Die neu entstehenden Pixel lassen sich dabei auch in eine neue leere Ebene schreiben. So kann man den Randübergang nachträglich mit Radiergummi und anderen Techniken glätten. Das inhaltssensitive Füllen stammt direkt aus dem Profiprogramm Photoshop CS5 (2010), das Inhaltssensitive Verschieben-Werkzeug erschien zuerst in Photoshop CS6 (2012).

Eins kann das neue Verschiebenwerkzeug jedoch nicht: Objekte in ein anderes Bild ziehen und dort an die Umgebung anpassen. Das erledigt der neue Photomerge-Assistent "Komposition". Innerhalb dieses Assistenten lassen sich Randübergänge noch glätten. Doch als Ergebnis präsentiert Elements 13 dann eine Montage mit freigestellten Objekten ohne Ebenenmaske; zu knapp angeschnittene Ebenen können also nicht mehr repariert werden. Die automatische Anpassung von Farbe und Kontrast brachte im Test nicht viel, alternativ kann man das eingefügte Objekt mit vier Reglern von Hand an die Umgebung angleichen. Insgesamt wirkt das Verfahren so umständlich und unübersichtlich, dass eine übliche manuelle Montage sinnvoller scheint.

Liegt der Auswahlumriss etwas neben der Motivkontur, dann hilft der neue Auswahl-verbessern-Pinsel: Er schiebt die Auswahl an das Hauptmotiv heran und berücksichtigt Bildkonturen, wahlweise wird eine vorhandene Auswahl auch geglättet. Ähnliche Ergebnisse lieferten freilich bisher schon das Schnellauswahlwerkzeug und der Befehl Kante verbessern. Der Auswahl-verbessern-Pinsel bringt also keine ganz neuen Möglichkeiten.

Der neue Assistent für Facebook-Titelbilder bietet nur zwei Vorlagen – je eine für ein Einzelfoto und für mehrere Aufnahmen. Das Verfahren erinnert an andere Montage-Assistenten in Elements: Geöffnete Fotos werden in Platzhalter gezogen und skaliert, auch Hintergrund und Texte lassen sich ändern. Das Ergebnis kann man wahlweise direkt aus Elements heraus auf die Facebook-Seite stellen. Die Vorlage für Einzelbilder hilft jedoch nur dann, wenn sich das Hauptmotiv bereits links unten in der Aufnahme befindet.

Das Freistellungswerkzeug zeigt jetzt automatisch vier Miniaturen des Bildes mit unterschiedlichen Zuschnitten. Hält man den Mauszeiger über ein Minibild, legt Elements den entsprechenden Freistellungsrahmen über das Foto, der Außenbereich erscheint blasser. Allerdings traten die Programmierer hier zu kurz: So fehlt in der Liste der Seitenverhältnisse das Format 16:9, man muss es manuell einrichten. Außerdem verzichtet Elements auf eine automatische Horizontkorrektur. Farbe und Deckkraft für den gedimmten Außenbereich lassen sich nur umständlich in den Voreinstellungen ändern, eine Vorschau ganz ohne die unerwünschten Bildränder fehlt.

Die neuen Effektassistenten sind alle für Schwarzweißumsetzungen zuständig: Der erste Schwarzweiß-Assistent bietet verschiedene Helligkeiten an, die sich mit weichem Licht und Kontraststärkung verändern lassen. Freilich geht das subtiler mit dem bekannten Befehl "Überarbeiten, In Schwarzweiß konvertieren" und etwas Nachbearbeitung. Die "Schwarzweiß-Auswahl" legt per Mausbewegung Bereiche fest, die in Graustufen erscheinen sollen; die Auswahl lässt sich mit den üblichen Elements-Techniken verfeinern, Motivkanten berücksichtigt das Programm automatisch. Schwarzweißkontrast und Gewichtung der Grundfarben Rot, Grün und Blau lassen sich hier allerdings ebenso wenig feinsteuern wie bei "Schwarzweiß-Farb-Popup": Hier klickt man in der Vorlage eine Farbe an, die nach der Umwandlung erhalten bleiben und nicht in Grautönen erscheinen soll.

Beim Organizer gibt es wenig Änderung, sieht man von der vereinfachten Diaschau ab: Hier liefert Adobe neue Vorlagen, und flotte Musik ist nur einen Mausklick entfernt. Einige Diaschau-Layouts arbeiten mit Splitscreens wie im Film: So erscheinen mehrere Bilder gleichzeitig mit wandernden Umrissen. Die Schau lässt sich direkt aus Elements heraus vorführen oder als Datei speichern. Das umgebaute Exportmodul schreibt Diaschau-Filme im universellen MP4-Format mit 720 oder 1.080 Pixel Höhe, also erstmals auch Full-HD; 4K-Video-Export wie die Konkurrenz von CyberLink bietet Adobe aber nicht. Der Export als PDF-Diaschau entfiel ebenso wie individuelle Übergänge und Standzeiten. Wer mit der alten Diaschau zufrieden war, sollte Photoshop Elements 12 oder einen Vorgänger auf der Festplatte behalten – die Programme lassen sich abwechselnd auf einem Computer nutzen, allerdings nicht zeitgleich.

Änderungen auch unter der Haube: Windows- und Mac-Version werden auf 64-Bit-Systemen automatisch in der 64-Bit-Version installiert. Auf hochauflösenden Monitoren – zum Beispiel Mac-Retina-Displays – verdoppelt Elements die Auflösung der Bildschirmsymbole, damit alles gut erkennbar bleibt. Windows XP wird nicht mehr unterstützt. Das Programm meldet zudem nach der Installation, dass Details zur Elements-Nutzung an Adobe übertragen werden. Wer das nicht will, muss die Option abwählen. In englischsprachigen Versionen bietet Elements 13 noch den neuen Bereich "eLive" mit vom Hersteller ausgewählten Hilfsvideos, Tipps und Tricks aus dem Internet. Davon ist in der deutschen Fassung nichts zu sehen. Photoshop Elements wird übrigens weiterhin als Einzelprogramm normal verkauft, ein Abo-Modell wie bei Photoshop CC gibt es für Elements gar nicht.

Fazit Das inhaltsbasierte Füllen erleichtert die Retusche großer Störungen. Auch bei Fotomontagen bietet Photoshop Elements 13 Erleichterungen. Andere Neuheiten im Programm sind wohl weniger wichtig – so die neuen und ausgebauten Effekte, die automatischen Vorschläge beim Zuschneiden und der magere Assistent für Facebook-Titelbilder. Das neue Werkzeug zur Auswahlverfeinerung wirkt zwar reizvoll, doch hatte Elements schon bisher sehr gute Auswahlfunktionen. Die neue Diaschau wirkt peppiger und einfacher, bietet aber teils weniger Detailsteuerung als die Vorgängerversion.

Kurzbewertung

  • bessere Retusche
  • pfiffige Diaschau in Full HD
  • insgesamt einfache, stabile Bedienung
  • Schnellkorrektur mittlerweile überfrachtet
  • neuer Montage-Assistent umständlich

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