Vollformat-DSLM

Testbericht: Sony Alpha 7 IV

2021-12-12 In der vierten Generation verpasst Sony seiner Alpha-7-Reihe erstmals einen höher auflösenden Vollformat-Sensor. Er bringt es nun auf 33 Megapixel. Doch auch die Videofunktion wurde mit nun 60 Bildern pro Sekunde bei 4K-Auflösung und zahlreichen zusätzlichen Möglichkeiten aufgebohrt. Zudem gibt es ein neues, deutlich robusteres Gehäuse und viel Technik auf neuestem Stand. Damit definiert Sony seine Standard-Vollformat-Systemkamera neu. Ob aber auch alle Leistungs-Versprechen gehalten werden und wie es um die Bildqualität bestellt ist, verrät dieser ausführliche Testbericht.  (Benjamin Kirchheim)

E-Mount
Diesen Kameratest gibt es nur als Premium-Test mit erweitertem Informationsumfang. Er enthält gegenüber unserer Standard-Online-Version zusätzlich eine Tabelle mit detaillierten Einzelbewertungen sowie Diagramme, in denen die Stärken und Schwächen der Kamera gut vergleichbar dargestellt werden. Zudem stellen wir drei andere Kameras als mögliche Alternativen vor und erklären, welche Vor- und Nachteile diese gegenüber der Sony Alpha 7 IV haben. Der sehr ausführliche Test kann direkt online gelesen oder als 38-seitiges PDF-E-Book heruntergeladen werden. Der Test ist in digitalkamera.de-Premium enthalten und einzeln für 1,99 € erhältlich (bzw. 1,79 € bei Bezahlung mit digitalkamera.de-Guthaben).

Inhaltsverzeichnis

  1. Ergonomie und Verarbeitung
  2. Ausstattung
  3. Bildqualität
  4. Fazit und Kurzbewertung
  5. Messwerte (Premium)
  6. Bewertungstabelle (Premium)
  7. Bewertungsdiagramme (Premium)
  8. Technische Daten
  9. Alternativen (Premium)

Ergonomie und Verarbeitung

Auch in der vierten Generation sieht die Sony Alpha 7 unspektakulär aus. Ihr Gehäuse besteht größtenteils aus einer robusten Magnesiumlegierung, die mit einer klassisch gesprenkelten, mattschwarzen Farbe beschichtet ist. Mit 660 Gramm betriebsbereitem Gewicht ist die Alpha 7 IV eine mittelschwere Kamera. In Kombination mit dem Testobjektiv FE 24-105 mm F4 G OSS verdoppelt sich das Gesamtgewicht auf 1,32 Kilogramm.

Nimmt man die Sony Alpha 7 IV in die Hand, fallen als erstes das robuster wirkende Gehäuse und vor allem der deutlich vergrößerte Handgriff auf. Mit einer Grifftiefe von 2,6 Zentimetern bietet er auch größeren Händen Platz. Doch nicht nur der im Vergleich zur Alpha 7 III fünf Millimeter tiefere Griff sorgt für mehr Volumen in der Hand, sondern auch das insgesamt dickere Gehäuse. Von der Rückseite bis zur Vorderseite des Griffs ist das Gehäuse nun fast einen Zentimeter dicker. Großzügige Gummibelederungen mit klassisch anmutender, genarbter Oberfläche sorgen für Rutschfestigkeit. Nicht zuletzt aufgrund der Einkerbung für den Mittelfinger gibt der Griff insgesamt einen guten Halt.

Dennoch ist die Sony Alpha 7 IV mit einer Breite von 13,1 und einer Höhe von 9,6 Zentimetern recht kompakt. Das Gehäuse lehnt sich am Design der Alpha 7R IV an und gehört unverkennbar zur gesamten Familie, die nicht nur aus den vielen Alpha-7-Modellen (samt R- und S-Derivaten), sondern auch der Alpha-9-Serie sowie der Alpha 1 besteht. Die Ähnlichkeit wird auch dadurch deutlich, dass die neueste Generation bestehend aus Alpha 7 IV, Alpha 7R IV, Alpha 7S III, Alpha 9 II und Alpha 1 zum selben Multifunktionsgriff VG-C4EM kompatibel ist.

Das Gehäuse der Sony Alpha 7 IV fasst sich nicht nur robust an, es bietet auch einen Spritzwasser- und Staubschutz. An allen Bedienelementen, Gehäuseübergängen und den Klappen sind Dichtungen angebracht. Die Klappen müssen zudem erst mit einem Schieber entriegelt werden, bevor sie sich öffnen lassen. Die Schnittstellenklappen bestehen hingegen von vornherein aus Hartgummi, das scharnierähnlich einseitig befestigt ist. So lassen sich die Klappen gut öffnen und schließen, ohne im Weg zu sein. Damit ist die Sony Alpha 7 IV deutlich besser abgedichtet als die Alpha 7 III und bewegt sich auf einem Niveau mit der Alpha 1.

Zahlreiche Bedienelemente säumen die Ober- und Rückseite der Kamera. Dazu gehören fünf Einstellräder, ein Wahlhebel, zehn Tasten sowie ein Vierwegewähler mit zentraler Taste und ein Joystick – den Auslöser, den Einschalthebel und die Verriegelungstasten nicht mitgerechnet. Ein Einstellrad lässt sich optional verriegeln und der Foto-Video-Umschalthebel ist standardmäßig gesichert. Einen Fokusbetriebsartwahlhebel gibt es hingegen nicht.

Der Auslöser ist, wie von Sony gewohnt, sehr weich, bietet aber einen gut tastbaren ersten Druckpunkt – besser als im Vorgängermodell und auch der Alpha 1. Dennoch lässt sich der Auslöser ganz weich durchdrücken. Wer möchte, kann zudem den Autofokus vom Auslöser entkoppeln und auf die gut erreichbare AF-On-Taste auf der Rückseite legen.

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Das prominent auf der Oberseite rechts hinten und damit perfekt für den Daumen erreichbare Belichtungskorrekturrad lässt sich wahlweise verriegeln oder entriegeln. Der kleine Knopf im Rad bietet entsprechend zwei Positionen, in denen er verbleibt. Ist der Knopf oben (was durch einen weißen Ring, der dann zum Vorschein kommt, deutlich sichtbar ist), kann das Rad gedreht werden. Drückt man den Knopf runter, ist die Belichtungskorrektur verriegelt. Die Belichtungskorrekturwerte sind nicht mehr wie früher auf dem Rad beschriftet, womit sich die Funktion sogar frei programmieren lässt.

Links daneben befindet sich eines der drei "normalen" Multifunktionsräder, das zweite ist vor dem Auslöser gut erreichbar im Griff eingelassen. Das dritte Rad befindet sich auf der Rückseite und ist mit dem Vierwegewähler "verheiratet". Das Rad ist trotz der Riffelung besonders mit trockenen Fingern sehr rutschig, so dass man beim Drehen immer Angst hat, versehentlich das Rad zu sehr zu drücken und damit den Vierwegewähler auszulösen. Die anderen beiden Funktionsräder lassen sich deutlich sorgenfreier drehen, das am Zeigefinger ist am rutschfestesten.

Alle Tasten besitzen einen guten Hub und einen spürbaren Druckpunkt, auch wenn sie eher schwammig als knackig abgestimmt sind. Sogar der Fokus-Joystick lässt sich wie ein Knopf drücken, was auch eine separate Funktion auslöst. Der Joystick kommt mit seinen acht Millimetern Durchmessern und der griffigen Oberfläche ohnehin eher einem Bedienpad gleich.

Bei den meisten Tasten sind die Beschriftungen eingraviert und weiß ausgelegt, so dass sie sich sehr gut ablesen lassen. Jedoch sind einige der Tasten einfach nur mit "C1" bis "C4" oder gar nicht beschriftet. So kann man sich die Funktion zwar frei belegen, aber andererseits muss man einfach wissen, welche Funktion sich jeweils dahinter verbirgt.

Dass Sony es allerdings auch in acht Jahren nicht geschafft hat, der Kamera eine eigene ISO-Taste zu verpassen, ist traurig. Die ISO-Taste befindet sich als Rechtsdruck auf dem Vierwegewähler, die Displaytaste ist hier ebenfalls fest integriert (oben). Die Links-Taste ändert die Aufnahmefolge (Selbstauslöser, Serienbildfunktion, Reihenaufnahmefunktion). Was die unbeschrifteten untere Taste des Vierwegewählers auslöst, lässt sich hingegen wieder frei einstellen.

Leider gibt es keine Möglichkeit, die Funktionstasten beispielsweise durch einen langen Tastendruck neu belegen zu können, das muss alles über das Menü erfolgen. Dort lassen sich sämtliche Tasten, auch die beschrifteten, mit einer anderen Funktion belegen. Wer möchte, kann sich also AF-On auf die ISO-Taste legen, ISO auf AEL, Fn auf AF-On und AEL auf Fn, um nur mal ein eher verwirrendes Beispiel zu nennen. Man sollte sich sein Bedienkonzept, so anpassbar es auch sein mag, schon gut überlegen. Insgesamt zwölf Tasten der Sony Alpha 7 IV lassen sich mit je einer von 120 Funktionen belegen, und zwar getrennt nach Foto-, Video- und Wiedergabemodus. Wie so oft stehen sich eine leichte Bedienbarkeit und eine hohe Individualisierbarkeit also entgegen.

Umgewöhnen müssen sich Sony-Fotografen, wie alle Umsteiger auch, beim Menü, denn Sony hat die bisherige Menüstruktur komplett über den Haufen geworfen. Statt horizontaler Reiter gibt es nun vertikale, horizontal navigiert man nur noch in der Menütiefe. Ob das allerdings eine so gute Idee war, ist zumindest fraglich. Immerhin kommt dieses Menü bei allen neuen Sony-Systemkameras zum Einsatz, so auch bereits bei der Alpha 1.

Während die fünf übereinander angeordneten, farbigen Quadrate mit Symbolen auf der linken Seite klar die Hauptkategorien vorgeben, wird es bereits in der Ebene daneben unübersichtlicher. Sobald man nämlich von der mittlerer in die rechte Ebene navigiert, verbreitert sich letztere und verdeckt die mittlere Menüebene. Ein großer Vorteil des neuen Menüs ist dagegen die volle Touch-Bedienbarkeit.

Immerhin wird in der obersten Menüzeile eine Übersicht angezeigt, in welcher Kategorie, welchem Untermenü und welcher Einstellung man sich gerade befindet. Die daneben eingeblendete Zahl, beispielsweise "22/52", zeigt deutlich, wie viele Menüseiten es insgesamt gibt. Der Funktionsumfang der Alpha 7 IV ist so enorm, dass seine Erklärung ein ganzes Buch füllen würde. Somit sollten auch passionierte Sony-Fotografen viel Zeit einplanen, sich mit der Alpha 7 IV vertraut zu machen, zumal gegenüber der Alpha 7 III viele neue Einstellmöglichkeiten hinzugekommen sind.

Angezeigt wird das bunte, neue Menü auf dem rückwärtigen, mit 7,5 Zentimetern nicht gerade üppig großen Bildschirm. Immerhin bietet dieser ein Seitenverhältnis von 3:2 und wird somit im Fotomodus mit nativem 3:2-Sensorformat vollständig genutzt. Im Videomodus hingegen gibt es oben und unten schwarze Ränder, die aber immerhin zur Anzeige von Einstellungen genutzt werden, so dass diese teilweise nicht das Livebild verdecken.

Ein acht Zentimeter großer Bildschirm, Platz wäre dafür angesichts des großen schwarzen Randes an allen Seiten gewesen, hätte der Sony Alpha 7 IV gut zu Gesicht gestanden. Auch die Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten wirkt etwas altbacken. Immerhin handelt es sich um einen Touchscreen, wobei sich nicht nur Aufnahme- und Wiedergabefunktionen per Fingertipper steuern lassen, sondern wie bereits erwähnt auch das Menü. Das funktioniert sehr gut, ist aber zum Glück für konservative Fotografen, die lieber die Tastenbedienung mögen (mit den Rädern lässt sich ebenfalls navigieren), optional beziehungsweise eine zusätzliche Steuermöglichkeit.

Die Beweglichkeit des Bildschirms ist mit dem Schwenk-Drehgelenk in vollem Umfang gegeben. Der Bildschirm lässt sich seitlich um knapp 180 Grad schwenken und um 270 Grad drehen. Damit kann er auch von der Person vor der Kamera als Video-Kontrollmonitor oder für Selfies eingesetzt werden. Bodennahe und Über-Kopf-Aufnahmen sind selbstverständlich im Hoch- und Querformat ebenfalls kein Problem. Einziger Wermutstropfen: Die Anschlusskabel, besonders der große HDMI-A-Stecker, verdecken den Bildschirm im Kontrollmonitorbetrieb, so dass man sich mit Winkelsteckern helfen muss.

Mit einer maximalen Leuchtdichte von 860 cd/m² ist der Bildschirm mehr als ausreichend hell, auch wenn Sony in manch anderer Kamera hellere Displays verbaut. Jedenfalls ist auch in der prallen Sonne im Schnee oder am Strand eine ausreichende Ablesbarkeit gegeben. Allerdings muss man die Monitorhelligkeit dafür manuell im Menü auf "Sonnig" stellen. Vielleicht sollte das Kamera-Entwicklungsteam, das das Sony-Xperia-Team bei der Entwicklung der Smartphone-Kameras unterstützt, einmal fragen, wie man eine gute automatische Monitor-Helligkeitsregelung implementiert. Immerhin bietet sogar der Sucher eine automatische Helligkeitsregulierung.

Diesen Kameratest gibt es nur als Premium-Test mit erweitertem Informationsumfang. Er enthält gegenüber unserer Standard-Online-Version zusätzlich eine Tabelle mit detaillierten Einzelbewertungen sowie Diagramme, in denen die Stärken und Schwächen der Kamera gut vergleichbar dargestellt werden. Zudem stellen wir drei andere Kameras als mögliche Alternativen vor und erklären, welche Vor- und Nachteile diese gegenüber der Sony Alpha 7 IV haben. Der sehr ausführliche Test kann direkt online gelesen oder als 38-seitiges PDF-E-Book heruntergeladen werden. Der Test ist in digitalkamera.de-Premium enthalten und einzeln für 1,99 € erhältlich (bzw. 1,79 € bei Bezahlung mit digitalkamera.de-Guthaben).
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