Telezoom für Vollformat-Spiegellose
Testbericht: Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF)
Seite 2 von 2, vom 2021-11-07 (Autor: Harm-Diercks Gronewold)Zur Seite 1 wechseln
Bildqualität
Der optische Aufbau des Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) ist mit 19 Linsen in 15 Gruppen üppig. Neben normalen sphärischen Linsen kommen asphärische Linsen sowie Linsen aus Spezialglas zum Einsatz. Diese Kombination soll Randabdunklungen minimieren, die Auflösung bis in die Bildecken maximieren, Verzeichnungen reduzieren und mehr. Wie gut das funktioniert, haben wir nicht nur im Labortest an der 42 Megapixel auflösenden Sony Alpha 7R III getestet, sondern auch in der Praxis, in der wir zudem die Streulichtempfindlichkeit und das Bokeh, also dem Abbildungsverhalten von Spitzlichtern im unscharfen Vorder- und Hintergrund, beurteilen.
Das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) an der Sony Alpha 7R III ist nicht für kleine Taschen geeignet. [Foto: MediaNord]
Mit 15,4 cm (ohne Kamera) ist das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) bei 70 mm Brennweite schon beachtlich lang. [Foto: MediaNord]
Mit 18,4 cm (ohne Kamera) ist das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) bei 180 mm Brennweite nicht sonderlich viel länger als bei kleinster Brennweite. [Foto: MediaNord]
Das Bokeh des Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) ist von der Helligkeit großteils homogen, wobei sich ein sehr feiner Rand der Lichtplättchen heller zeigt. Das ist allerdings ein geringeres Problem als die unschönen "Zwiebelringe" im Bokeh. Diese tauchen sowohl bei 70 als auch 180 Millimetern Brennweite auf. Das macht das Bokeh bei vielen hellen Lichtplättchen sehr unruhig. Sind die Lichtplättchen eher im mittleren Helligkeitsbereich, fällt das Problem nicht so sehr auf.
Die Streulichtempfindlichkeit ist sehr hoch und sie äußert sich in sehr starken großflächigen Kontrastverlusten und Blendenflecken, die je nach Lichteinfallswinkel überall im Bildfeld verteilt sind. Der Winkel muss hier nicht einmal besonders spitz sein, es reichen schon etwas weniger als 90 Grad zur Frontlinse. Es ist also in jedem Fall angebracht, die mitgelieferte Streulichtblende immer im Einsatz zu haben.
Bei offener Blende zeigt sich das Objektiv im mittleren Kontrastbereich von 50 Prozent nicht sonderlich hochauflösend. So erreicht diese bei allen Brennweiten nur rund 65 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm), was für eine 42-Megapixel-Kamera zwar nicht wenig, aber auch nicht richtig viel ist. In allen Brennweiten zeigt sich bei offener Blende, dass das Objektiv am Bildrand sogar minimal höher auflöst als in der Bildmitte. Erst beim Abblenden zieht die Auflösung im Bildzentrum deutlich an und übersteigt die Randauflösung deutlich.
Bei Blende 8 und 112 mm Brennweite erreicht die Kamera im Bildzentrum die höchste Auflösung von sehr guten knapp 89 lp/mm. Der Auflösungsverlust zum Bildrand liegt dabei um etwa 20 Prozent. Bei kurzer Brennweite wird bei F5,6 die höchste Auflösung von knapp 88 lp/mm erreicht, im Tele ist sie bei F4 mit 84 lp/mm am höchsten. Ab Blende 11 macht sich die Beugungsunschärfe in allen Brennweitenbereichen bemerkbar, wobei Bilder mit F16 immer noch mit etwa 70 lp/mm aufgelöst werden und der Abfall zum Rand zwischen sechs und 16 Prozent liegt.
Gut auskorrigiert wird die Randabdunklung. Sie beträgt maximal 0,7 EV bei 180 mm Brennweite und offener Blende. Bei geringster und mittlerer Brennweite und offener Blende sind es 0,6 beziehungsweise 0,4 EV. Der Rest der Brennweiten-Blenden-Kombinationen liegt zwischen 0,2 und 0,3 EV Randabdunklung.
Auch unter schwierigen Lichtverhältnissen kann das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) eingesetzt werden. [Foto: MediaNord]
Im Bokeh des Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) ist der hellere Rand um die Lichtplättchen erkennbar, wodurch das Bild etwas unruhig wirkt. [Foto: MediaNord]
Sind die Lichtplättchen im Hintergrund auf ähnlichen Tonwerten, wirkt das Bokeh des Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) sehr ruhig. [Foto: MediaNord]
Bei Porträtaufnahmen mit dem Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) wirkt das Bokeh mit kontrastreichen Lichtplättchen unruhiger, als wenn die Lichtplättchen in einem ähnlichen Helligkeitsbereich sind. [Foto: MediaNord]
Die mittlere Brennweite bleibt von Farbsäumen verschont. Bei der geringsten Brennweite zeigen sich Farbsäume nur minimal an starken Kontrastkanten. Bei 180 mm Brennweite sind Farbsäume leicht sichtbar und an starken Konstrastkanten ab Blende 8 werden die Farbsäume deutlicher.
Weniger gut aufgestellt zeigt sich das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD bei der Korrektur von Verzeichnungen. Während sie bei kleinster Brennweite mit maximal etwa einem Prozent Tonnenform noch gering ausfällt, schlägt die mittlere Brennweite mit etwas mehr als 1,5 Prozent Kissenform schon aus dem Rahmen. Getoppt wird das Ganze dann von der maximalen Brennweite (180 mm), diese überschreitet nämlich bei etwa 80 Prozent Abstand von der Bildmitte den äußerst kritischen Wert von 2,5 Prozent kissenförmiger Verzeichnung. Tamron scheint hier auf die automatische Verzeichniskorrektur der Kamera zu vertrauen, die man allerdings ausdrücklich im Menü aktivieren muss. Diese geht allerdings mit einem Bildwinkelverlust und auch Auflösungsverlusten in den Randbereichen einher.
Fazit
Das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) besitzt eigentlich alles, was man sich von einem Telezoom wünscht: eine hohe Lichtstärke und dazu noch eine 1:2-Makro-Funktion sowie einen prima Straßenpreis von weniger als 1.200 Euro. Auch wenn das Gehäuse aus Kunststoff besteht, hat es ein super Anfassgefühl und mechanisch hinterlässt es einen soliden Eindruck.
Bei der Bildqualität machen dem Objektiv seine hohe Streulichtanfälligkeit, die große Anzahl von Blendenflecken und auch die Verzeichnung zu schaffen. Die Auflösung ist bei offener Blende zwar nicht gerade hoch, sie wird aber besser, wenn ein bis zwei Stufen abgeblendet wird und bei F8 ist sie sehr gut. Damit ist das Tamron 70-180 mm F2,8 Di III VXD (A056SF) ist ein günstiges Telezoom mit hohem kreativen Potential und einigen Schwächen. Durch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Objektiv dennoch durchaus ein Tipp für ambitionierte Fotografen.
Kurzbewertung
- Sehr gutes Handling
- Klasse Makro-Modus
- Schneller und leiser Autofokus
- Etwas abgeblendet sehr hohe Auflösung
- Hohe Streulichtempfindlichkeit
- Zwiebelringe im Bokeh
- Teilweise unschöne Verzeichnung
Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.